Es klingt wie ein schlechter Scherz, ist aber eine Realität, für die problemlos EU-Fördergelder bereitgestellt wurden. Gefördert wurden und werden nämlich von der EU drei Skipisten mit einer Gesamtlänge von 700 Metern auf einer Insel, die wegen ihres milden Winterklimas bekannt ist. Capa-kaum wurde auf diesen Schelmenstreich aufmerksam gemacht und ging der Sache nach…

Es geht um die dänische Ostseeinsel Bornholm. Sie wird „Sonneninsel“ genannt, weil ihr Klima für diese Region besonders warm ist. Dass die Insel bloß 588 km² groß ist, würde der Angelegenheit noch keinen Abbruch tun. Mehr aber die Tatsache, dass Bornholms höchste Erhebung, der Rytterknaegten, nicht mehr als 162 m misst. Und dennoch gibt es dort Skilifte und Skipisten. Und das kam so:

Ein dänischer Skifan namens Ole Harild hat sich auf Bornholm seinen ganz privaten Traum verwirklicht – mit Hilfe der EU. Sie machte, auch zu dessen Überraschung, ohne viel Aufhebens, ohne große Prüfung des Projekts 2007 gleich einmal 100.000 Euro locker. Womit zwei Skilifte errichtet und drei Pisten angelegt werden konnten: Eine für Kinder, eine etwa 500 m lange leichte Abfahrt und eine etwas über 200 m lange, so genannte „schwere“ Piste. Start in 110 m Höhe, Ziel 72 m über dem Meeresniveau, Höhendifferenz also: Stolze 38 Meter…

Betrieben wird das Ganze vom Verein „Skifreunde Bornholm“ (Bornholms Skivenner), ein paar Familien mit Freunden und Bekannten, die nun sogar von einem dritten Skilift träumen. Gar nicht so weit hergeholt, denn erst kürzlich hat die EU dafür weitere 33.000 Euro bewilligt. Und auf der Internet-Seite der Skifreunde werden auch schon die Liftmodelle (österreichischer Erzeugung) gezeigt.

Das Skizentrum wird sogar, wie Capa-kaum feststellte, auf einer Tourismusplattform im Internet selbstbewusst neben alpinen Skizielen wie der Zillertal-Arena und den Dolomiten beworben. Nicht dazu geschrieben wird allerdings, dass Skifahren auf Bornholm, mit Ausnahme der letzten beiden, gleich einmal katastrophal schneereichen Jahre, bloß auf wenige Tage beschränkt ist. Was übrigens zumindest einige Kritiker innerhalb der EU-Bürokratie auf den Plan gerufen hat. Doch der Reflex ist derselbe wie in allen anderen Fällen seltsamer Förderungen: Die EU schiebt die Verantwortung auf die nationalen Behörden, diese spielen die Angelegenheit zurück nach Brüssel.

Und so freuen sich die „Skifreunde Bornholm“ über ihre Pisten und Lifte, auch wenn sie sie beispielsweise in diesem Winter noch gar nicht benutzen konnten. Aber immerhin sind für die kommenden Tage Schneefälle angesagt. Sie lassen eine Schneehöhe von 1 cm (in Worten: einen Zentimeter) erwarten.

5 Kommentare zu “Ein Ski-Scherz der EU”

  • kalinka 25. Januar 2012

    Ich finde die Geschichte einfach verrückt. Das hätte den Verantwortlichen in der EU nicht passieren dürfen.

  • wibek 25. Januar 2012

    suuuper, dass einer mit so einem verrückten projekt geld bekommt. also nachmachen, wenn die gewünschte geldsumme nicht besonders hoch ist, wird der antrag scheinbar problemlos durchgewunken!

  • titular 25. Januar 2012

    Ist mir unverständlich, dass es keine genaue Prüfung vor Vergabe der EU-Gelder gibt. Aber die Brüssel-Bürokraten sind eben weit entfernt von ihren Bürgern, die das alles zahlen

  • Capa-kaum 25. Januar 2012

    Lieber Retep8: Capa-kaum hätte viel zu tun, die zu Recht von dir angemahnten anderen Beispiele aufzulisten – so bleibt Bornholm eben pars pro toto… Abgesehen davon: Das Montafon ist sicher die bessere Wahl, bietet es jedenfalls für zwoa Bretteln nicht nur an g’führigen Schnee – juchhe! – sondern auch “Supa-Pisten”! :-)

  • Retep8 25. Januar 2012

    An sich ist der Wunsch nach Einrichtungen zur Ausübung wintersportlicher Aktivitäten, hier alpines Schifahren, nicht notwendiger Weise nur den dafür traditionellen Gegenden innerhalb der EU vorbehalten. Bleibt die Frage, ob die angemahnte Bezuschussung verfahrensgerecht korrekt abgewickelt wurde oder ob sich krumme Dinger ereignet haben. An anderen Beispielen kritikwürdiger Kosten/Nutzen-Rechnungen von EU-geförderten Projekten multipler Betragsgrößen hatten hier die Europaparlamentarierin Inge Grässle und Capa-kaum scheinbar kein Interesse.

    Mit patriotischen Grüßen
    :-)
    PS: Begebe mich demnächst ins Montafon, da mir ein Gefälle von nur 38 Metern, geschweige eine höchst wahrscheinlich mangelnde Gleitauflage, im vorliegenden Fall doch zur angestrebten Sportausübung zu wenig wäre.

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