Gedanken zur Zeit. Denn die Finanzkrise liefert praktisch im Wochentakt die Erkenntnis, wie leicht es ist, Menschen zu manipulieren. Wie einfach es beispielsweise lange Zeit war, Schlechtes für Gutes zu verkaufen, Risikoreiches als Sicheres anzupreisen und wie nachvollziehbar es immer wieder scheint, wenn fast pausenlos neue Lösungen als beste Allheilmittel gegen die Fortsetzung der Krise dargestellt werden. Da macht Otto Normalverbraucher gerne mit und liefert den Meinungsforschern für ihre Umfragen das entsprechende Futter – klingt der nächste Vorschlag plausibel, schlägt das Meinungspendel ohne Zögern einfach in die ganz andere Richtung aus: Euro-Bonds? Einmal ja, einmal nein. Euro-Wirtschaftsregierung? Einmal ja, einmal nein.

Und deshalb muss man sich „aus gegebenem Anlass“ Gedanken über das Manipulieren machen, meint Capa-kaum. Aber nicht bloß darüber, ob die Rating-Agenturen, ob das Politleitduo Merkel&Sarkozy, ob die Finanzminister, ob Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Bankmanager durch ihre Informationspolitik manipulieren – sondern darüber, wie es überhaupt möglich wird, dass deren Manipulationsbemühungen auch ihr Ziel nicht verfehlen.

Die Ursache liegt in jedem von uns selbst. Angesichts der immer umfangreicher einströmenden Information am Arbeitsplatz, in der Freizeit, auf der Straße, in der Familie, über alle Medien von Internet bis Fernsehen und Zeitungen nehmen wir vieles an Information praktisch nur noch einfach entgegen. Auf den Punkt gebracht am Detail des Fernsehkonsums: Immer mehr Menschen zappen im 2-Sekunden-Takt durch 40, 60 oder 100 Fernsehkanäle: Die Wissenschaft hat festgestellt: Nach 2 Stunden stellt sich ein Gefühl der Informations-Völle ein, aber gleichzeitig inhaltliche Leere – man hat zwar „alles“ konsumiert, sich aber durch nichts bereichert, nichts gespeichert.

Aber, leider: In unserem Unbewussten findet alles statt. Weil real durch unsere Sinne Wahrgenommenes durch diese unserem Gehirn zugeleitet und dort verarbeitet wird. Das heißt: Realität wird in unsere Psyche übertragen, jeder Wahrnehmungsinhalt erhält damit zusätzliche Faktoren und wird dadurch gleichsam zu einem psychischen Ereignis. Die Informationen, auch wenn wir sie gar nicht bewusst speichern, sind Teil unserer Gedanken, ohne dass wir aktiv denken. Wir treffen damit beispielsweise Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“ – und wissen gar nicht warum. Ein aufnahmebereites Feld für Manipulatoren.

Capa-kaum muss da an ein Zitat aus Immanuel Kants Schrift „Was ist Aufklärung“ erinnern: „Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.“

Man könnte auch sagen: Wer es sich zu einfach macht und zu schnell gebotenen Informationen Glauben schenkt, hört auf zu denken. Und ist ein willfähriges Objekt für Manipulatoren.

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