Seltsame Wege geht oftmals eine Jury in der Zuerkennung eines Preises. Das hat sich wieder einmal bei der jüngsten Verleihung der Bambi-Trophäe an den Skandal-Rapper Bushido erwiesen. Denn, leider (könnte man sagen), erhielt der Sohn eines tunesischen Vaters und einer deutschen Mutter den Preis nicht für seine musikalischen Leistungen, sondern als Vorbild für Integration. Und das ist ein Skandal.

Nun erinnert sich Capa-kaum natürlich an andere, höher wertige, ebenso seltsame Preisverleihungen. Wie etwa als Barack Obama 2009 den Friedensnobelpreis erhielt, obwohl er als US-Präsident noch keine Leistung für den Frieden erbracht hatte und im Gegenteil, die von seinem Amtsvorgänger George W. Bush eingeleiteten Kriege im Irak und Afghanistan, das Lager in Guatanamo und die militärische Aufrüstung fortsetzte. Oder die Vergabe der Literatur-Nobelpreise an nur Eingeweihten bekannte Lyriker oder Autoren von äußerst begrenzter Bedeutung, wie Vidiadhar Surajprasad Naipaul aus Trinidad (2001) oder in diesem Jahr Tomas Tranströmer aus Schweden. Aber, zugegeben: Gerade im Bereich Kultur ist vieles Geschmacksache, muss manches differenziert betrachtet werden.

Womit Capa-kaum zu Bushido zurückkehren kann. Denn auch im Kulturbereich Musik ist vieles möglich, manches unverständlich, wird einiges abgelehnt oder einfach nicht gemocht. Wie Bushidos Rap-Musik. Dass aber ein Mensch wie er angeblich Vorbild für gelungene Integration sein soll, empört – und das zu Recht. Ohne Kommentar dazu ein kleiner Überblick über Bushidos Haltung (abgesehen von den Polizeivermerken über ihn und einer Reihe von Urheberrechtsverletzungen, die er begangen haben soll):

Stichwort Rechtsextremismus: Im Song Electro Ghetto findet sich die Zeile „Salutiert, steht stramm, ich bin ein Leader wie A.“ – dass er damit auf Adolf Hitler anspielen wollte, kommentierte er mit der Bemerkung: „Das war eben eine willkommene Provokationsmöglichkeit.“ Stichwort Menschenverachtung und Gewaltverherrlichung: Zu seinem Song Nutte Bounce meinte er nach Kritik an der darin deutlichen Frauenfeindlichkeit, damit meine er nur „echte Schlampen“ und sparte auch nicht mit geschmacklosen Äußerungen über Natascha Kampusch, Paris Hilton und Alice Schwarzer (2010: „…da hätt ich ihr gesagt, ganz ehrlich, weißte was, fick dich ins Knie, du Fotze“). Homosexuelle beleidigte er unter dem Jubel seiner Anhänger wiederholt wegen deren sexueller Orientierung.

Immer wieder bestritt er, rechtsradikale, antisemitische oder frauenfeindliche Tendenzen zu propagieren, distanzierte sich jedoch nicht von den betreffenden Textpassagen. Im Jahr 2007 nahmen sogar die beiden Musiksender MTV und Viva Bushido-Songs für einige Zeit aus dem Programm. 2005 einigte er sich in Linz auf die Zahlung von 20.000 Euro, nachdem ihm vorgeworfen wurde, gemeinsam mit zwei Freunden einen 20 Jahre alten Mann zusammengeschlagen zu haben, der die Reifen seines BMW zerstochen haben soll.

Erfreulich, dass anlässlich der Bambi-Preisverleihung nicht nur politische und gesellschaftliche Gruppen, sondern auch zahlreiche prominente Künstler, von Rosenstolz-Musiker Peter Plate bis Tatort-Kommisar Axel Milberg, mit ihrer Kritik an der Zuerkennung des Preises für „gelungene Integration“ nicht hinter dem Berg gehalten haben.

Bushido, dessen aus dem Japanischen entlehnter Künstlername „Weg des Kriegers“ bedeutet, beteuert immer wieder, dass er heute anders denkt und spricht als vor zehn Jahren. Doch seine jüngsten als rechtsextrem und menschenverachtend anzusehenden Fehltritte sind weit jüngeren Datums – zuletzt einige Wochen alt. Aber, wie sagte er in seiner Dankesrede, es ist ihm herzlich egal, was andere über ihn denken. Ja und: Integration sei ihm wichtig.

Seine eigene ist ihm offensichtlich gelungen. Das Signal, das die Jury mit ihrer Entscheidung gegeben hat, ist jedoch, meint Capa-kaum, falsch. Es legitimiert das „Vorbild“ Bushido in einer Zeit, in der Deeskalation statt Aggression vonnöten ist.

5 Kommentare zu “Das Vorbild Bushido”

  • hubsi 15. November 2011

    Heino´s Beitrag zur Integration, den er durch Rückgabe seines Bambis zugunsten eines Integrationsprojektes auf imponierende Weise geleistet hat, verdient Hochachtung und ist gleichzeitig eine schallende Ohrfeige für den Burda -Verlag. Hätte nie geglaubt, einmal Heino-Fan zu werden!

  • kalinka 12. November 2011

    …wie konnte der Bunten so ein Fehler passieren? Haben die aus Spargründen gar keine Redaktionen mehr? Wenn sich nämlich eine Redaktion mit dem bisherigen Lebenswerk Bushidos befaßt hätte, wäre es nie zur Preisverleihung an Bushido für Integration gekommen.

  • aquarius 12. November 2011

    ….so eine Preisverleihung wäre nicht mal den naiven Amerikanern passiert. Was hat sich der Burda-Verlag dabei gedacht? Provokanter geht es nicht!

  • wibek 12. November 2011

    ist eben über twitter verbreitet worden: eine textzeile von bushido (bambi-jury: „setzt sich ein gegen gewalt und für ein respektvolles miteinander“), songtext von „dreckstück“: „wie du in deinem bett sitzt, halbnackt, du dreckstück, ich wusste, dass du so bist und jeden dreck fickst. Nur weil du eine frau bist und man dich in den bauch fickt, heißt es nich, dass ich dich nich schlage bis du blau bist.“ video ist auch auf youtube, da sieht man, was bushido so treibt, hat offenbar die naive burda-jury nicht angesehen……

  • odeon2 12. November 2011

    die sind doch völlig von der rolle, so einem anti-typ einen preis zu geben!!!

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